FDP diskutierte mit Bürgern und Fachleuten Probleme unserer Kulturlandschaft

Auf dem Bild von links:
Steffen Liebig, Präsident des Landesjagdverbandes Thüringen
Jörg Göring, Präsident des Waldbesitzerverbandes für Thüringen e. V.
Dr. Gero Hocker, Mitglied der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag, Sprecher für Landwirtschaft und Ernährung und gleichzeitig Präsident des Deutschen Fischereiverbandes
Gerald Ullrich, Mitglied der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag,
Constanze Koch, Journalistin

Schmalkalden. Kontrovers, konstruktiv und hochspannend war der Diskussionsabend, zu dem die Freien Demokraten am 16. Oktober ins Aktiv & Vital Hotel Thüringen in Schmalkalden eingeladen hatten. Das Thema

Wolf, Nilgans, Biber – wie viel Wildnis verträgt unsere Kulturlandschaft?

ließ für das Podium und das fachkundige Publikum viel Raum zum Austausch. Größtes Plus des Abends: Es kam die ungeschönte und faktenbasierte Expertise der Wald-, Forst-, Land- und Gewässernutzer zur Sprache, statt städtisch-romantischer „Balkonbiologie“.

„Der Sachverstand des ländlichen Raums“, den Gerald Ullrich als Mitglied des Bundestages bei zu vielen Entscheidungen im politischen Berlin vermissen lässt, da Lobbygruppen und zu viele Leute aus der Stadt, die sich ein Urteil anmaßten, in die Problematiken einbringen würden. „Wir müssen vielmehr mit den Leuten vor Ort reden, die die Probleme wirklich kennen.“

In der von Journalistin Constanze Koch (Medienbüro Koch) geführten Diskussion gaben Dr. Gero Hocker, Mitglied der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag, Sprecher für Landwirtschaft und Ernährung und gleichzeitig Präsident des Deutschen Fischereiverbandes, Jörg Göring, Präsident des Waldbesitzerverbandes für Thüringen e. V. sowie Steffen Liebig, Präsident des Landesjagdverbandes Thüringen die Impulse für den regen Austausch mit den im Publikum sitzenden Fachleuten aus Wald, Forst, Jagd, Landwirtschaft und Fischerei.

Dr. Gero Hocker unterstrich, dass wir im Jahr 2019 „in Deutschland keine Wildnis mehr haben wie vor 200 Jahren“. Aus diesem Grund müssten wir einen Weg finden, „vernünftig mit dem Wolf – einer an sich faszinierenden Spezies – umzugehen und seine explosionsartige Ausbreitung zu verhindern. Da muss die Politik den strengen Schutzstatus aufheben“, forderte er. Leider hätten nur vier Bundesländer mit dem Wolf ein Problem. „Und die anderen Bundesländer werden sich dann im Bundesrat nicht für diese Länder stark machen, weil sie ja wiederum eigene Interessen in Gefahr sehen und dafür auf Unterstützung hoffen…“ Und er verwehrte sich insbesondere, dass NGOs den Wolf zum Spendensammel-Objekt machen können.

Jörg Göring ärgert die „ideologische Diskussion in Deutschland, die vor allem in den Städten geführt wird“. Es gehe schließlich um Großraubwild in einer dichtbesiedelten Landschaft. Und man könne auch nicht Yellowstone mit Deutschland vergleichen. Vielmehr sollte mit der unterschiedlichen Bewertung in Europa aufgehört werden. „Osteuropa nämlich geht mit dem Wolf ganz normal um und hat ihn im Jagdrecht verankert – und damit eben nicht die Probleme wie Deutschland. “Die Politik sei ebenso bei Biber und Komoran gefragt, tätig zu werden, da die Schäden mittlerweile immens seien für die betroffenen Landwirte und Berufsfischer.

Steffen Liebig konstatierte ebenfalls, dass die Politik viel zu stark von Strömungen in der Bevölkerung und von urbanen „Balkonbiologen“ beeinflusst ist, und dabei „die fachlichen Fragen völlig ausblendet“. Dabei „haben wir uns die Natur zu eigen und sind nun auch verpflichtet, regulativ einzugreifen.“ Seit der Wende wurde sich im 5-Jahres-Rhythmus mit Forstreformen kontinuierlich „runtergespart und wenig an die Menschen gedacht, die die Pflege vor Ort wirklich betreiben“.

Das anwesende fachkundige Publikum nahm die zahlreichen Impulse auf und machte aus der täglichen Erfahrung und Arbeitspraxis auf viele Um- und Missstände aufmerksam:

… dass Landnutzer zunehmend auch im Zwiespalt mit der Naherholungsfunktion des Waldes seien,

… dass gute fachliche Praxis mehr wertgeschätzt werden müsse, als permanent Entschädigungen an Land- und Gewässernutzer zu zahlen,

… dass Landwirte in ihrer Arbeit immer mehr mit dem Rücken zur Wand stehen müssten, weil die Politik lieber dem Mainstream folge und das „mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten“,

… dass nur eine Landwirtschaft mit gesunden Betrieben auch Naturschutz leisten können,

… dass Berufs- und Angelfischerei schon heute wegen falsch verstandenen Artenschutzes Ausfallschäden in Millionenhöhe beklagen; Unternehmen, die von ihrer täglichen Arbeit leben müssen und in erster Linie auch Unternehmer und nicht Bittsteller sein wollen

… dass sich grüne Politik „unverschämter Weise“ der Jäger bediene und das Eigentumsrecht nicht mehr gewahrt sei

… dass Wald-, Forst-, Land- und Gewässernutzer sich noch viel mehr mit ihren Problemen zusammen tun müssen, um öffentlich Gehör zu finden

Aus diesem Grund fand das Lob an die einladenden Freien Demokraten natürlich Gehör, denn die Gäste sprachen mehrfach ihren Dank dafür aus, dass „die FDP die einzige Partei ist, die dieses Thema wirklich ernst nimmt und mit den Betroffenen darüber spricht, um diese Erfahrungen in die politische Diskussion einzubringen“, wie es einer der zahlreichen Verbandspräsidenten formulierte.

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